Wir schenken uns nichts
Das Hope Theatre Nairobi wurde im Mai 2009 als Ergebnis einer ersten Theaterarbeit mit LehrerInnen, SchülerInnen und Jugendlichen der Organisation Hands of Care and Hope von Stephan Bruckmeier gegründet.
Hands of Care and Hope ist eine kleine, aber höchst effiziente Organisation in den östlichen Armenvierteln Korogocho, Kariobangi und Mathare und betreibt fünf Grundschulen für etwa 1.000 Kinder, eine Berufsschule und eine Höhere Schule sind in Bau. Zusätzlich trägt die Organisation die Verantwortung für Elternprogramme, Altenversorgung, Computerkurse und ein Jugendzentrum.
Das Hope Theatre besteht aus 20 Jugendlichen, die seit Februar 2010 in der Theaterhalle des Jugendzentrums unter der Leitung des Dramaturgen und Sozialarbeiters Constant Hore kontinuierlich proben, eigene Szenen und dramatische Gedichte schreiben und bei diversen lokalen Festivals auftreten. Workshops und Szenenarbeit unter anderem mit dem Deutschen Schauspieler Folkert Dücker, dem kenianischen Schauspieler Vicky Holvick, oder den Musikern Gerd Schuller und Gilbert Handler ergänzen das Arbeitsprogramm.
Mit der politischen Theaterrevue „The Dream of getting a Job“ wird das Hope Theatre im April und Mai 2012 gemeinsam mit Slum TV und auf Einladung von „Kenya Art Projects e.V.“ zum ersten Mal in Deutschland und Österreich gastieren.
Durch finanzielle und logistische Unterstützung von Bayer Kultur, Goethe Institut Nairobi, Wien Kultur, Land Baden-Württemberg, Kärntner Landesmusikschulwerk, BMUKK, Servicevereine, Theater Rampe Stuttgart, TAG – Theater an der Gumpendorferstraße Wien, GamsbART Graz, Reiner & Partner Tirol, ORF, ITI, sowie zahlreiche private SpenderInnen ist es dem europäischen Partnerverein „Kenya Art Projects e.V.“ möglich, das Hope Theatre kontinuierlich zu unterstützen.
„Kenya Art Projects e.V.“ wurde 2011 gegründet und hat seinen Sitz in Stuttgart, Deutschland. Die Vorstandsmitglieder Stephan Bruckmeier (1. Vorsitzender und künstlerischer Leiter), Petra Weimer (2. Vorsitzende), Eberhard Schif (Schatzmeister), Univ. Prof. Dr. Renate Dürr, Karin Theis-Sina, Sybille Wittmann, Eckhart Holzboog, sowie die Gründungsmitglieder Dipl. Des. Hella Schindel und Christian Burmeister haben es sich zur Aufgabe gesetzt, den künstlerischen Dialog zwischen Europa und Afrika zu unterstützen, wobei der Aufbauarbeit in Kenia ein Hauptaugenmerk zuteil wird.
Gemeinsam mit verschiedenen Theatergruppen aus allen Slumregionen der vier Millionen Metropole Nairobi hat Stephan Bruckmeier im Herbst 2010 das Slum Theatre Festival „Theatre for Developement“ im Nationaltheater Nairobi ins Leben gerufen. Das erste Festival fand am 17. Dezember 2010, das zweite Festival am 26. und 27. November 2011 statt und wird nun jedes letzte Wochenende im November zahlreiche Tanz- und Theatergruppen aus den informellen und zum Teil schwer unterentwickelten Gebieten Nairobis präsentieren.
Zur grundsätzlichen sozialen und kulturellen Aufbauarbeit in Nairobi erscheint anlässlich der Tournee des Hope Theatre Nairobi das Buch „meeting nairobi“ im mandelbaum verlag. Die Afrikaexpertin Dr. Margit Niederhuber hat für dieses Buch recherchiert und zahlreiche Interviews mit unterschiedlichen BewohnerInnen Nairobis geführt und kommentiert, die Fotos dieser 160 Seiten starken Reise quer durch diese faszinierende Metropole stammen von Heike Schiller.
Die Tournee des Hope Theatre wird die meisten Mitglieder das erste Mal in ihrem Leben aus Kenia bringen und ist nicht nur eine interessante, den wichtigen kulturpolitischen Dialog fördernde Veranstaltungsreihe die durch Workshops, Diskussionen und Sonderveranstaltungen ergänzt wird, sondern auch eine Fundraising-Tour für die eigene berufliche Zukunft.
Die finanzielle und logistische Struktur des Hope Theatre Nairobi entspricht den üblichen Grundsätzen einer kontinuierlich arbeitenden Theatergruppe und folgt der modernen Idee einer Entwicklungshilfe, bei der es vor allem um die partnerschaftliche Aufbauarbeit, Anleitung zur Selbständigkeit und künstlerische, sowie finanzielle Eigenverantwortlichkeit geht. Da es in Kenia keine Subventionen gibt und das Einkommen für viele Interessierte zu niedrig ist um in Theaterkarten investiert zu werden, kann Kultur nur durch Unterstützung der reicheren Länder und freiwilliger Initiativen und Einzelpersonen ermöglicht und am Leben gehalten werden. Und doch wird – wie in Europa auch – eine klar definierte Arbeit bezahlt.
Mit der Tournee hat die Gruppe die Möglichkeit, seinen Geldgebern ihre künstlerische Arbeit zu präsentieren und gleichzeitig neue Förderer zu finden. Ohne Sponsoren, Institutionen und engagierte private Unterstützer ist das Hope Theatre auf Dauer nicht überlebensfähig. Allerdings wird hier ein klarer Dialog zwischen Kulturschaffenden und Kulturinteressierten aufgebaut.
Wie in Europa auch haben die Menschen in Afrika das Recht auf eine reale Berufschance und eine seriöse Bezahlung. Das Schenken von Geld an unbekannte arme Menschen in direkter Beziehung zu wirtschaftlicher Ausbeutung ist keine dauerhaft Lösung und bewirkt wie überall auf der Welt vor allem Frustration, Resignation und Selbsterniedrigung.
Respektvoller Umgang aber mit dem Menschen, seinen Fähigkeiten, seiner Leitung und seiner Grundrechte fördert das persönliche Selbstwertgefühl und damit die positive Definition im lokalen Umfeld, sowie nachhaltige sozialpolitische Strukturen.
The Dream of getting a Job erzählt die Geschichte des jungen Jobsuchenden Myk und seiner Ehefrau Mellisa im Großstadtdschungel Nairobi. Alles beginnt mit einem traditionellen afrikanischen Abendessen in einer kleinen, für die Slums typischen Hütte. Die Familien von Mellisa und Myk sind zu Gast und drängen den Jungen, unter allen Umständen das Bewerbungsgespräch in einer großen Bank am nächsten Morgen zu bestehen, denn er habe schließlich die Verantwortung für seine junge Frau und die beiden Familien. Als die beiden wieder alleine sind legt sich Myk ins Bett, um noch ein letztes Mal seine Unterlagen durchzusehen, während Mellisa das Geschirr zum Waschen vor die Hütte trägt. Myk schläft sofort erschöpft ein und es beginnt die Traumreise durch das Leben, die Ängste, Nöte, Hoffnungen und Sehnsüchte des jungen Mannes.
Mit dieser Theaterrevue thematisiert das Hope Theatre seine eigene Situation und gibt auf engagierte und lustvolle Art Einblicke in das Leben, die Geschichte und Ästhetik ihres Lebens in der internationalen Metropole zwischen konkreter Zukunftschance und sozialer Ausbeutung.
15. April 2012 Kulturhaus Leverkusen
17. – 21. April 2012 Theater Rampe Stuttgart
25. – 26. April 2012 Carinthische Musikakademie in Ossiach (CMA)
28. April 2012 Kaisersaal in St. Johann i.T.
1. – 5. Mai 2012 Theater an der Gumpendorferstraße in Wien (TAG)
7. – 8. Mai 2012 Orpheum Graz
PS: In Korogocho und Kariobangi gibt es unzählige kleine Stände in denen Obst, Gemüse und Getreide verkauft wird. In großen weißen Säcken wird Bruchbrot von der an den Bezirk grenzenden Müllhalde angeboten. Ein Becher um fünf Schilling (etwa vier Cent). Viele Menschen können sich nur diese Mahlzeit leisten. Das Sammeln von Verwertbarem auf der giftigen Deponie von etwa zwei Kilometer Durchmesser ist für viele die einzige Lebensgrundlage.
Natürlich bietet die ungeheure Armut keine Bewertungsgrundlage für das Theater. Die künstlerische Arbeit der Theatergruppe wird durch die Lebensumstände nicht besser, aber auch nicht schlechter! In diesem Zusammenhang sollte nicht vergessen werden, dass Deutschland und Österreich nach dem selbst verschuldeten Krieg ohne fremde Hilfe nie das gesellschaftliche und finanzielle Niveau hätten erreichen können, das nun gegen Eindringlinge geschützt wird. Die Menschen in Afrika haben sich hingegen ihre Jahrhunderte lange koloniale Besetzung nicht selbst verschuldet.
Ohne Hilfe geht es nicht, aber es soll Hilfe zur Selbsthilfe sein, denn: wir lassen uns nichts schenken.
Gerne können Sie die Arbeit des Hope Theatre Nairobi unterstützen.
Spendenkonto unter der Rubrik „Spenden“
Für persönliche Informationen wenden Sie Sich gerne via E-Mail an:
„Kenya Art Projects e.V.“
oder
Stephan Bruckmeier
Auf dieser Homepage finden Sie folgende weitere Informationen:
> Kilometerweit für zwei Bananen, mein Tagebuch zur ersten Nairobireise von Stephan Bruckmeier, April / Mai 2009
> Jenseits in Afrika, Tagebuch zur Keniareise von Lisa Sallay, Juli / August 2010
> Hope Theatre, Sachbericht über eineinhalb Jahre Arbeit in den Slums von Nairobi (als pdf-download), Stephan Bruckmeier
Presseberichte: Sonntag Aktuell Baden-Württemberg, Kleine Zeitung Kärnten, Niederösterreichische Nachrichten, Wiener, Lift Stuttgart (jew. als pdf-download).
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