Kilometerweit für zwei Bananen
Theater in den Slums von Nairobi

Wir schenken uns nichts

Das Hope Theatre Nairobi wurde im Mai 2009 als Ergebnis einer Theaterarbeit mit SchülerInnen, LehrerInnen und Jugendlichen der Organisation Hands of Care and Hope in Korogocho und Kariobangi von Stephan Bruckmeier gegründet. Etwa zwanzig Jugendliche aus unterschiedlichen Slumgebieten der Millionenmetropole arbeiten mittlerweile selbst verwaltet unter der Dachorganisation Theatre for Development C.B.O. kontinuierlich zusammen und entwickeln gemeinsam mit Stephan Bruckmeier und anderen europäischen und afrikanischen Theaterschaffenden einen Theaterstil, der verschiedene nationale und internationale Traditionen aufgreift und verbindet.

Durch finanzielle und logistische Unterstützung von Bayer Kultur, Goethe Institut Nairobi, Wien Kultur, Staatsministerium Baden-Württemberg, BMUKK, Unicef, ORF, SWR, ITI, Brot für die Welt, Servicevereinen, Caritas, Degerloch Fair, Theater Rampe Stuttgart, TAG – Theater an der Gumpendorfer Straße Wien, GamsbART Graz, Reiner & Partner Tirol, sowie zahlreichen Einzelpersönlichkeiten war es dem europäischen Partnerverein „Kenya Art Projects e.V.“ möglich, das Hope Theatre Nairobi bereits zwei Mal in Europa zu präsentieren.

„Kenya Art Projects e.V.“ wurde 2011 gegründet und hat seinen Sitz in Stuttgart, Deutschland. Die Vorstandsmitglieder Stephan Bruckmeier (1. Vorsitzender und künstlerischer Leiter), Petra Weimer (2. Vorsitzende), Eberhard Schif (Schatzmeister), Univ. Prof. Dr. Renate Dürr, Karin Theis-Sina, Sybille Wittmann, Eckhart Holzboog, sowie die Mitglieder Edith Beimel, Christian Burmeister und Thorsten Hamm haben es sich zur Aufgabe gesetzt, den künstlerischen Dialog zwischen Europa und Afrika zu unterstützen, wobei der Aufbauarbeit in Kenia ein Hauptaugenmerk zuteil wird.

Für die erste Tournee verließen die Mitglieder des Hope Theatre auch zum ersten Mal ihr Heimatland Kenia. Die Theaterreise mit zwanzig Vorstellungen in sieben Städten war nicht nur eine interessante soziale und kulturelle Begegnung mit großen Lerneffekten auf beiden Seiten und eine neue künstlerische Erfahrung, ein kulturpolitischer Dialog der durch zahlreiche Workshops, Diskussionen und Sonderveranstaltungen ergänzt wurde, sondern eine Präsentation des modernen Afrikas und diente dem Abbau zahlreicher Klischees. Auf Einladung des Staatsministeriums Baden-Württemberg war die Kompanie auch auf der Fair Trade Messe in Stuttgart zu Gast.
Nach dem großen Erfolg der Tournee hat sich das Selbstverständnis der Truppe positiv und nachhaltig verändert. Seit August 2012 arbeitet die Kompanie unter seiner eigenen, selbst geschriebenen Verfassung und wird durch die Theatre for Development C.B.O. verwaltet. Die C.B.O. ist die neu gegründete Dachorganisation sowohl für das Hope Theatre Nairobi als auch für das Slum Theater Festival.

Gemeinsam mit verschiedenen Theatergruppen aus allen Slumregionen der Metropole hat Stephan Bruckmeier im Herbst 2010 das „Slum Theater Festival“ im Nationaltheater gegründet mit dem Ziel, sowohl Gruppen aus den zum Teil weit auseinander liegenden, von der wachsenden Mittelschicht nicht besuchten Armenvierteln der Stadt zu präsentieren, als auch ein sozialpolitisches und kulturelles Netzwerk aufzubauen.Theatre for Development C.B.O. engagiert sich besonders um Theatergruppen in den Slums von Nairobi, die einen eigenen, modernen künstlerischen Ausdruck kreieren. Eine zusätzliche wichtige Aufgabe des Festivals ist es,  das friedliche Miteinander unterschiedlicher religiöser und ethnischer Bevölkerungsgruppen zu fördern.

2013 konnten neun junge EuropäerInnen einen Monat lang gemeinsam mit dem Hope Theatre in Nairobi zusammen leben und arbeiten. Die multimediale Bildungsrevue „Fair Deal – Fair Act – Fair Trade“ wurde am Theater Rampe, in Schulen sowie in Auszügen bei der Fair Handeln Messe 2013, bei der Fairtrade – Urkundenverleihung der Stadt Bielefeld, beim Porsche Tennis Grand Prix und bei den Afrikatagen in Ludwigsburg mit großem Erfolg präsentiert. Persönliche Eindrücke der Mitwirkenden können Sie im Blog „Hope Theatre Nairobi & Friends“ nachlesen.

Wie in Europa auch haben die Menschen in Afrika das Recht auf eine reale Berufschance und eine seriöse Bezahlung. Das Schenken von Geld an unbekannte arme Menschen in direkter Beziehung zu wirtschaftlicher Ausbeutung ist keine dauerhaft Lösung und bewirkt wie überall auf der Welt vor allem Frustration, Resignation und Selbsterniedrigung. Respektvoller Umgang aber mit dem Menschen, seinen Fähigkeiten, seiner Leistung und seiner Grundrechte fördert das persönliche Selbstwertgefühl und damit die positive Definition im lokalen Umfeld, sowie nachhaltige sozialpolitische Strukturen.

Die finanzielle und logistische Struktur des Hope Theatre Nairobi entspricht den üblichen Grundsätzen einer kontinuierlich arbeitenden Theatergruppe und folgt der modernen Idee einer Entwicklungshilfe, bei der es vor allem um die partnerschaftliche Aufbauarbeit, Anleitung zur Selbständigkeit und künstlerische, sowie finanzielle Eigenverantwortlichkeit geht. Da es in Kenia keine Subventionen gibt und das Einkommen für viele Interessierte zu niedrig ist um in Theaterkarten investiert zu werden, kann Kultur nur durch Unterstützung der reicheren Länder und freiwilliger Initiativen und Einzelpersonen ermöglicht und am Leben gehalten werden. Und doch wird – wie in Europa auch – eine klar definierte Arbeit bezahlt.

Projekte 2012 / 13

> 3. Slum Theater Festival im Nationaltheater Nairobi, Eröffnung im Goethe Institut durch SE dem Österreichischen Botschafter Mag. Christian Hasenbichler.

> Fair Deal – fair Act – fair Trade – eine bildungspolitische Revue zum Themenkomplex Fairness im Allgemeinen und Fairer Dialog und Handel im Besonderen. In Kooperation mit Brot für die Welt, Staatsministerium Baden-Württemberg, Popakademie Baden-Württemberg und Fairtrade Deutschland.

> Spätzle @ Ugali – ein multimediales Internet-Dialogprojekt der Freien Aktiven Schule Stuttgart mit MitgliederInnen der Theatre for Development C.B.O.

Lebendige Eindrücke von der Arbeit und der Lebenssituation der Jugendlichen zeigt das Video
„If I open my eyes“ auf youTube.

PS: In Korogocho und Kariobangi gibt es unzählige kleine Stände in denen Obst, Gemüse und Getreide verkauft wird. In großen weißen Säcken wird auch Bruchbrot von der an den Bezirk grenzenden Müllhalde angeboten. Ein Becher um fünf Schilling (etwa vier Cent). Viele Menschen können sich nur diese Mahlzeit leisten. Das Sammeln von Verwertbarem auf der giftigen Deponie von etwa zwei Kilometer Durchmesser ist für viele die einzige Lebensgrundlage.
Natürlich bietet die ungeheure Armut keine Bewertungsgrundlage für das Theater. Die künstlerische Arbeit der Theatergruppe wird durch die Lebensumstände nicht besser, aber auch nicht schlechter! In diesem Zusammenhang sollte nicht vergessen werden, dass Deutschland und Österreich nach dem selbst verschuldeten Krieg ohne fremde Hilfe nie das gesellschaftliche und finanzielle Niveau hätten erreichen können, das nun gegen Eindringlinge geschützt wird. Die Menschen in Afrika haben hingegen ihre Jahrhunderte lange koloniale Besetzung nicht selbst verschuldet.
Ohne Hilfe geht es nicht, aber es soll Hilfe zur Selbsthilfe sein.

Gerne können Sie die Arbeit des Hope Theatre Nairobi unterstützen.

Spendenkonto unter der Rubrik „Spenden“
Für persönliche Informationen wenden Sie Sich gerne via E-Mail an:
„Kenya Art Projects e.V.“
oder
Stephan Bruckmeier

Auf dieser Homepage finden Sie folgende weitere Informationen:
> Kilometerweit für zwei Bananen, mein Tagebuch zur ersten Nairobireise von Stephan Bruckmeier, April / Mai 2009
> Jenseits in Afrika, Tagebuch zur Keniareise von Lisa Sallay, Juli / August 2010
> Hope Theatre, Sachbericht über eineinhalb Jahre Arbeit in den Slums von Nairobi (als pdf-download), Stephan Bruckmeier

Ausgewählte Presseberichte:
Sonntag Aktuell Baden-WürttembergKleine Zeitung KärntenNiederösterreichische NachrichtenWienerLift StuttgartBegegnung der KulturenKleine Zeitung, 2012Kleine Zeitung - KinderseiteKleine Zeitung, KulturLIFT 2012
(jeweils als pdf-download).

Der für das ganze Slum Theater Projekt programmatische Song „If I open my eyes“ von Gerd Schuller (Musik) und Stephan Bruckmeier (Text) ist mit einem Video von Veronika Kopeinigg auf youTube zu sehen. Die 18-jährige Schülerin hat die Truppe für dieses Video zwei Wochen in Nairobi begleitet und konnte diese Arbeit für ihr Fachabitur verwenden.

 
Hope Theatre, Stephan Bruckmeier, Theater in den Slums von Nairobi – bei der Ernte

Linkliste unserer Tourneepartner:

ADA – Austrian Development Agency Bayer KulturBrot für die WeltBundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur Stephan BruckmeierCarinthische MusikakademieCaritas KärntenHope Theatre, Stephan Bruckmeier, Theater in den Slums von Nairobi – Kinder am Wasserhahn degerloch fair e.v.Dienst für Mission, Ökumene und Entwicklung Fairtrade DeutschlandFreie aktive Schule StuttgartgamsB-ARTGoethe InstitutHope For FutureKenya Art Projects e.V. mandelbaum verlagMargit NiederhuberORFPopakademie Baden-WürttembergTheatre for Development C.B.O.Theater Rampe, StuttgartMadelaine ReinerReiner & Partner GesmbHReisefieber StuttgartSEZ – Stiftung EntwicklungszusammenarbeitStaatsministerium Baden-WürttembergSoroptimist InternationalDas TAG – Theater an der Gumpendorfer StraßeUNICEFRote Bar – Volkstheater WienWien Kultur
Text „Nairobi-Tagebuch” als pdf herunterladen (556 kb)