Arbeit statt Mitleid

Das Hope Theatre Nairobi ist eine sozial-politische Theatergruppe aus Nairobi (Kenia), die 2009 vom deutsch-österreichischen Regisseur Stephan Bruckmeier mit jungen Erwachsenen aus den Armenvierteln der Metropole gegründet wurde. Seitdem trainiert das Ensemble eigenständig und kontinuierlich in Kariobangi, einem Slum im Gebiet der legendären Mülldeponie und arbeitet immer wieder projektbezogen mit RegisseurInnen, SchauspielerInnen und StudentInnen aus Europa und Afrika. Seit 2012 reist das Ensemble jährlich nach Deutschland und Österreich und präsentiert Stücke zum Thema Fairness im wirtschaftlichen und sozialen Kontext. Ein weiterer wichtiger Teil der Arbeit ist der Austausch mit dem Publikum aller Altersklassen, vor allem mit SchülerInnen. Den Mitwirkenden ist es ein Anliegen, das komplexe Beziehungsgeflecht zwischen Afrika und Europa von afrikanischer Seite positiv-kritisch, unsentimental, urban und authentisch zu beleuchten.

Gerade in Zeiten wie diesen ist es besonders wichtig, Afrika nicht nur als Problembezirk zu zeigen, der uns angeblich unseren Wohlstand streitig macht, sondern auch als Kontinent von Menschen, die trotz unserer wirtschaftlichen Ausbeutung an ihrer beruflichen Zukunft arbeiten, trotz ihrer Herkunft aus den Slums positiv und leidenschaftlich von ihrer Heimat erzählen und die globalen Themen kritisch und aufgeschlossen aus afrikanischer Sicht beleuchten. In unserer globalen Kommunikationsgesellschaft bleibt, so paradox das klingen mag, vor allem die Kommunikation, der Dialog mit anderen Menschen auf der Strecke. Doch genau da setzt das Hope Theatre Nairobi seit nunmehr fast 10 Jahren an: beim kulturellen Austausch, beim gemeinsamen Erlebnis, bei der Vermittlung der eigenen Konzepte und Visionen und beim direkten Gespräch auf Augenhöhe.

In Kenia ist die Gruppe seit Herbst 2016 eine selbst verwaltete NGO mit 3 Frauen im Vorstand und kümmert sich ihrerseits um die Chancen für andere. Zu den wichtigsten Projekten gehören: regelmäßige Workshops im kifafa Epilepsie-Waisenhaus für Mädchen in Kendu Bay, regelmäßige Workshops in den Kamiti Maximum Jugendstrafvollzugsanstalten und im Langate Frauengefängnis Nairobi, regelmäßige Workshoptätigkeit im Pehucci Waisenhaus in Nairobi und der kontinuierliche Aufbau einer eigene Kindergruppe in Mathare Slums: den Hope Theatre Juniors. Dazu kommen verschiedene Auftritte im ganzen Land. Ein besonderes Anliegen ist es der Gruppe, Mädchen und jungen Frauen sowohl Ausbildungsmöglichkeiten als auch Hilfestellung zu bieten und ihnen Kraft ihrer beruflichen und sozialen Erfahrungen aus den Europareisen Vorbild zu sein.

In Deutschland und Österreich übernimmt die Gruppe durch seine unterschiedlichen Projekte einen wichtigen Beitrag zur Völkerverständigung auf Augenhöhe. Hier sind neben den zahlreichen bildungspolitischen Theateraufführungen zu nennen: Workshops in Schulen, Flüchtlingsarbeit, Kooperationsprojekte wie dem Chat der Welten des Eine-Welt-Netzwerks Thüringen, die regelmäßige und aufbauende Zusammenarbeit mit kikuna, Programmgestaltung für die Jubiläumsveranstaltungen der Gleichstellungsanwaltschaft des Österreichischen Bundeskanzleramts, die regelmäßigen Auftritte und Gespräche bei der Fair Handeln Messe Stuttgart sowie die Unterrichtstätigkeit bei den Jugendtheatertagen Schwäbisch-Hall.

Durch das breite Spektrum an Angeboten ist das Hope Theatre Nairobi weit mehr als ein Sozialprojekt. Die Gruppe hat gemeinsam mit ExpertInnen politische Collagen zu den Themen Klimawandel, Wasser, Flucht, Fairer Handel, Gleichstellung, Menschenrechte und Nachhaltigkeit entwickelt und erreicht auf seinen Tourneen regelmäßig über 10.000 Menschen. Die Ensemblemitglieder sind alle in schwierigen Verhältnissen und großer Armut aufgewachsen und haben es geschafft, durch den Beruf des Theaterschaffenden ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Dieser Erfolg ist die Basis ihrer sozialen Tätigkeit in Kenia und der Motor, für andere Kinder und Jugendliche, eine Lebensvision zu entwickeln anstatt sich verloren zu glauben. Seit der Gründung der NGO ist das Projekt eine eigenständige, nachhaltige Initiative, die mit den Mitteln des Theaters gesellschaftspolitische Akzente setzt und diese an andere Menschen weitergibt.

Zum 10-jährigen Jubiläum reist die Truppe mit fünf Stücken

  • „Peace“ … politisches Erzähltheater von Stephan Bruckmeier
  • „Menschenrechte und andere Kleinigkeiten“ … eine politische Revue zum Thema Gerechtigkeit, Kinderrechte und Gleichstellung von Margit Niederhuber, Karin Wirnsberger und dem Ensemble des Hope Theatre Nairobi
  • „Stop breathing – it can damage your health” … eine politische Revue zum Klimawandel von Natalia Roizzenzon – Sipple und Hannes Lauer
  • “Wasser!” … eine politische Revue zur Grundlage unseres Lebens von Judith Kunz
  • „The Fair Trade Play“ … eine politische Revue zum Fairen Handel von Stephan Bruckmeier und dem Ensemble des Hope Theatre Nairobi

Aktuelle Tourneedaten finden Sie auf unserer facebook-Seite: Hope Theatre Tour – aktuell

Impressionen zu unseren Tourneen finden Sie in unseren Blogs
Tournee und Proben 2013
Tournee 2015
Tournee 2018

Gedanken zur Vorbereitung der Jubiläumstournee und einen Rückblick auf zehn Jahre Theaterarbeit in Nairobi finden Sie ab Ende September jedes Wochenende neu im Blog: https://hopetheatre10years.wordpress.com/

Unsere Jubiläums-T-Shirts bekommen Sie ab Januar 2019 bei: 3 Freunde – shirts, bio, fair

Wie auch in Europa haben die Menschen in Afrika das Recht auf eine reale Berufschance und eine seriöse Bezahlung. Das Schenken von Geld an unbekannte arme Menschen in direkter Beziehung zu wirtschaftlicher Ausbeutung ist keine dauerhafte Lösung und bewirkt wie überall auf der Welt vor allem Frustration, Resignation und Selbsterniedrigung. Respektvoller Umgang aber mit dem Menschen, seinen Fähigkeiten, seiner Leistung und seiner Grundrechte fördert das persönliche Selbstwertgefühl und damit die positive Definition im lokalen Umfeld, sowie nachhaltige sozialpolitische Strukturen.

Die finanzielle und logistische Struktur des Hope Theatre Nairobi entspricht den üblichen Grundsätzen einer kontinuierlich arbeitenden Theatergruppe und folgt der modernen Idee einer Entwicklungszusammenarbeit, bei der es vor allem um die partnerschaftliche Aufbauarbeit, Anleitung zur Selbständigkeit und künstlerische, sowie finanzielle Eigenverantwortlichkeit geht. Da es in Kenia keine Subventionen gibt und das Einkommen für viele Interessierte zu niedrig ist um in Theaterkarten investiert zu werden, kann Kultur nur durch Unterstützung der reicheren Länder und freiwilliger Initiativen und Einzelpersonen ermöglicht und am Leben gehalten werden. Aber es wird – wie in Europa auch – eine klar definierte Arbeit bezahlt.

Die wesentliche Einnahmequelle für die Gruppe ist die Tournee

… bei der wir uns bemühen, die Fixkosten durch Fundraising, öffentliche Subventionen und Sponsoring-Partnerschaften zu erwirtschaften, damit die Bezahlung der Aufführungen der Gruppe zur Verfügung gestellt werden kann. Da die Fixkosten aber sehr hoch sind ist die Tournee trotz mehrerer kontinuierlicher oder einmaliger Unterstützungen und hervorragender Auslastungszahlen jedes Jahr ein Defizit, das von Stephan Bruckmeier privat getragen wird. Daher sind wir für jede Form der Unterstützung dankbar.
Sie können uns entweder Auftritte vermitteln oder Geld spenden. Das Geld wird ausschließlich für die Menschen in Kenia verwendet, Stephan Bruckmeier und der Verein Kenya Art Projects e.V. arbeiten ehrenamtlich.
Kontakt: Stephan.Bruckmeier

Spendenkonto
Kenya Art Projects e.V.
BW-Bank Stuttgart
IBAN: DE46 6005 0101 0001 1457 68
BIC: SOLADEST600

Ausgewählte Presseberichte

Sonntag Aktuell Baden-Württemberg, 2009 • Kleine Zeitung Kärnten , 2010 • Niederösterreichische Nachrichten, 2010 • WienerLift Stuttgart, 2010 • Begegnung der Kulturen, 2012 • Kleine Zeitung, 2012 • Kleine Zeitung – KinderseiteKleine Zeitung, KulturLIFT 2012Hochheimer Zeitung, 2015 • Kölner Stadtanzeiger, 2015 • Kultur.Kino.Ruhr, 2015 • Nairobi-VaihingenRhein-Neckar-Zeitung, 2015 • Stuttgarter Zeitung, 2016 • Badische Zeitung, 2018 • Eichstätter Kurier, 2018 (jeweils als pdf-download).
Der für das ganze Slum Theater Projekt programmatische Song „If I open my eyes“ von Gerd Schuller (Musik) und Stephan Bruckmeier (Text) ist mit einem Video von Veronika Kopeinigg auf youTube zu sehen. Die 18-jährige Schülerin hat die Truppe für dieses Video zwei Wochen in Nairobi begleitet und konnte diese Arbeit für ihr Fachabitur verwenden.

PS: In Korogocho und Kariobangi gibt es unzählige kleine Stände in denen Obst, Gemüse und Getreide verkauft wird. In großen weißen Säcken wird auch Bruchbrot von der an den Bezirk grenzenden Müllhalde angeboten. Ein Becher um fünf Schilling (etwa vier Cent). Viele Menschen können sich nur diese Mahlzeit leisten. Das Sammeln von Verwertbarem auf der giftigen Deponie von etwa zwei Kilometer Durchmesser ist für viele die einzige Lebensgrundlage.
Natürlich bietet die ungeheure Armut keine Bewertungsgrundlage für das Theater. Die künstlerische Arbeit der Theatergruppe wird durch die Lebensumstände nicht besser, aber auch nicht schlechter! In diesem Zusammenhang sollte nicht vergessen werden, dass Deutschland und Österreich nach dem selbst verschuldeten Krieg ohne fremde Hilfe nie das gesellschaftliche und finanzielle Niveau hätten erreichen können, das nun gegen Eindringlinge geschützt wird. Die Menschen in Afrika haben hingegen ihre Jahrhunderte lange koloniale Besetzung nicht selbst verschuldet.
Ohne Hilfe geht es nicht, aber es soll Hilfe zur Selbsthilfe sein.

Auf dieser Homepage finden Sie folgende weitere Informationen

> Kilometerweit für zwei Bananen, Tagebuch zur ersten Nairobireise von Stephan Bruckmeier, April / Mai 2009
> Jenseits in Afrika, Tagebuch zur Keniareise von Lisa Sallay, Juli / August 2010
> Hope Theatre Nairobi – der Beginn, Stephan Bruckmeier (auch als pdf-download)

Stephan Bruckmeier - hope theatre Nairobi - UnterstützerInnen

Text „Nairobi-Tagebuch” als pdf herunterladen (556 kb)