„Fair Deal – Fair Act – Fair Trade“

Drei Auszüge aus dem aktuellen Stück:
Flaschenpost   |   Happy Chocolate   |   Fairness-Song

Flaschenpost von Sylvia Schlettwein

Szene eins

Lucia und Maria (Foto: c Christoph Krackhardt)

Ein schöner Sommertag in Stuttgart. Die Tische draußen vor dem „Palast der Republik“ sind alle besetzt. Uno und Andrea an einem Tisch. Vor Andrea steht eine Flasche Mineralwasser mit Glas. Uno trinkt eine Halbe.

Uno:

Ich versteh die Welt nicht mehr! Seit wann trinkst du denn Mineralwasser in der Kneipe?

Andrea:

Seit das politisch korrekt und cool ist. Sag bloß, ausgerechnet du kennst das nicht. Kommt aus Namibia. Da kommst du doch auch her, oder?

Uno:

Was? Du machst Witze. (nimmt die Flasche und studiert das Etikett)Freedom Fresh, naturbelassenes Wasser aus den Tiefen namibischen Gesteins.“ (dreht die Flasche und liest den Text auf der Rückseite) „Als Julia Tjiroza im trockenen Lande seiner Ahnen unerwartet auf eine unterirdische Quelle klarsten Wassers stieß, wollte sie diese nicht nur mit der Welt, sondern auch mit den Menschen teilen. Die Hälfte des Erlöses auf das Wasser, das Sie in den Händen halten, geht in Form von Gehältern an die lokale Bevölkerung in der Otjozondjupa-Region Namibias zurück.“ Julia Tjiroza? Oh Mann, dann hat sie’s tatsächlich geschafft …

Andrea:

Jetzt verstehe ich nichts mehr. Du kennst die Frau, die dieses Wasser produziert? Wahnsinn! Die ist ein Genie! Und schön!

Uno:

Ja, ich kannte sie. Sie war mit mir auf der Schule. Eine Herero, aber eine, der nie über  Geschichte reden wollte, nicht so wie ich. Genozid in der Wüste, die Schädel der Ahnen, Reparationen und Entschuldigungen, dafür hat sich Julia kein bisschen interessiert. 

Szene zwei

Fair Trade Ensemble (Foto: c Christoph Krackhardt)

Juliet stands in school uniform. Speaks into Uno’s direction.

Juliet:

Money makes the world go round, not tradition or honour or the ancestors or such crap. That is all dead and over. I don’t want carnival in uniforms in Okahandja  at the Herero Day once a year, I want to party everyday – and that costs more money than any German reparation could pay. One day I‘ll sell something so special that everyone wants it. You will see.

Uno:

And what exactly might that be?

Juliet:

How am I supposed to know? But I will find something, or it will find me.

Uno:

And then?

Juliet:

Then I won’t  even have to ask anybody for anything. I don’t need to ask an old white guy for permission to marry his son. He’ll beg me to please marry his son.

Uno:

Stop bragging!

Szene drei

Pauline, Fair Trade Ensemble (Foto: c Christoph Krackhardt)

Vorhang zu auf Juliet‘s Seite der Bühne.

Uno:

Ich habe sie seit der Schule nicht mehr gesehen, so wie ich überhaupt niemand mehr wieder gesehen habe, so sehr wollte ich raus dem Sand, aus den Steinen, aus dem Staub, aus der Hitze, der Trockenheit zum Studieren im Grünen, weit weg von Menschen wie Julia. Und jetzt gucke ich manchmal aus irgendwelchen superisolierten deutschen Fenstern und suche den Sand, die Steine, den Staub, die Hitze, die Trockenheit und habe Heimweh danach… und nach Menschen wie Julia. Egal, wollte eigentlich sagen: Wasser aus Namibia, das ist wirklich so besonders, dass jeder es haben will. Ich fass es nicht, Julia hat’s tatsächlich geschafft.

Andrea:

Na dann, Prost, auf Julia!  (Hebt ihr Glas, das Uno ihr aus der Hand nimmt. Sie nimmt einen großen Schluck.)

Uno:

Schmeckt trotzdem nur wie Wasser. (verzieht das Gesicht, winkt nach einer Bedienung) Noch eine Halbe für die verdurstete Frau aus der Namib-Wüste!

Szene vier

Curtain rises on Juliet’s side of the stage. Juliet in a half-open bathrobe, the playa-design of which contrasts with the stylish leather couch she is lying/ sitting on. Talks into her cellphone that sports a gold coloured cover. 

Juliet:

What? Communal Land? I found that well, it’s MINE. Sorry, let me correct myself, the water found ME. And I give jobs to hundreds of people after all, or are they already a thousand? The next cow I catch at MY borehole, will be slaughtered for the party over the weekend. Tell them I don’t take bullshit from stupid cows. Excuse the pun. (Holds the cellphone away from his ear and laughs tears about her own play on words)
Excited babbling from the cell phone.

Juliet:

Let them talk. Kambonde from Lands and Resettlement is also coming to the party. He loves beef and I’d gladly point out the fences I stumbled over on the so-called communal land. And have you ever heard of something like communal mineral water? I haven’t. Okay, bye, rather see that you get us that fair-trade-label on our bottles. And you’re obviously invited on Saturday too. After action, satisfaction, hehe. There’ll be draught beer – bottomless.

Curtain falls.

 

Happy Chocolate von Stephan Bruckmeier

1 – Director and Farming-Manager

Farming-Manager:

Sir I cannot reduce the prize without reducing the amount of workers. You know the situation in our country. We are close to a civil war. The people are poor and become poorer and poorer. Our politicians are corrupt and the fanatic preachers try to bring the poor people on their side with unrealistic promises. If we don’t care about our country we might loose everything.

Director:

I understand you quite well but even though I am the director of the company I’m not in the position to decide anything. Milk has become more expensive in Germany so if I go on paying you the same amount like before my products will be more expensive than the products of the competitors and this means very simple that people will not buy my chocolate but the chocolate of the others. And this means that we slowly get bankrupt and I can pay you in the end precisely nothing.

Farming-Manager:

So we have lost?

2 – Director and Girlfriend

Director:

You are what?

Girlfriend:

I am pregnant.

Director:

Okay. –

Girlfriend:

You are not happy?

Director:

Who is the father?

Girlfriend:

You of course! What are you thinking about, are you crazy?

Director:

I am the father?

Girlfriend:

Yes, of course:

Director:

Then – waiter! A bottle of Champaign, the best one you have in the house, and two glasses!

Girlfriend:

Sweetheart, I’m pregnant, I’m not supposed to drink alcohol…

Director:

I know. But we have to celebrate, that you get a baby from me, that you will marry me and that you stop drinking alcohol exactly after today, right?

Girlfriend:

I love you!

Director:

You have to learn German, sweetheart: Ich liebe Dich.

3 – Direktor und PR-Manager

Director:

Wir müssen aus dem Problem einen Triumph machen.

PR-Manager:

Aber wie soll das gehen?

Director:

Sie hören mir jetzt gut zu, ich habe den ganzen Flug über nachgedacht: meine afrikanische Freundin ist schwanger.

PR-Manager:

Wie nett...

Director:

Man kann mich also als Afrika-freundlichen Unternehmer präsentieren. Die Plantagen habe ich im Preis gedrückt. Mit einem Angebot: die Kinder bekommen eine Schule.

PR-Manager:

Was?

Director:

Die Kinder arbeiten halbtags auf der Plantage, natürlich unbezahlt, so drücken wir den Preis, und halbtags gehen sie zur Schule, so tun wir was für sie. Die Eltern werden zufrieden sein und mehr Kinder auf die Plantagen schicken. Gratisarbeit, meine liebe, wir können damit sogar noch etwas billiger werden als die Konkurrenz.

PR-Manager:

Und wer bezahlt die Schulen?

Director:

Der Konsument.

PR-Manager:

Versteh ich nicht.

Director:

Dann hören Sie eben weiterhin zu. Wir verkaufen die Schokolade zum selben Preis wie die Konkurrenz, spenden aber zehn Cent pro Tafel an eine bekannte Hilfsorganisation für den Bau von Schulen in Kakaoanbaugebieten. Wir machen noch immer Gewinn und verkaufen sogar mehr als die anderen, weil wir ja ein positives Image transportieren. Das ganze machen wir nicht leise und heimlich, sondern laut und progressiv und  mit einem Slogan: und genau den dürfen Sie sich ausdenken. Dazu kommen Prominentenpartys und Galaauftritte, ich mit meiner schwangeren schwarzen Frau. Imagewandel im Kakaoanbau und Gewinnvermehrung durch unbezahlte Arbeitskräfte. Jetzt sind Sie platt, was?

PR-Manager:

Allerdings.

Director:

Wir verwenden diesen ganzen naiven Fairtrade-Schwachsinn für unsere Gewinnvermehrung. Der Konsument kauft weiterhin billige Schokolade aber mit dem Gefühl, etwas Gutes zu tun und subventioniert, ohne es zu merken, unseren Betrieb. Ein Jahr und wir sind wieder die Nummer Eins am Markt.

PR-Manager:

Darf ich die Wahrheit sagen?

Director:

Aber immer.

PR-Manager:

Sie sind genial – aber Sie sind ein Schwein.

Director:

Möchten Sie meine Nummer Eins sein – oder kündigen?

(Pause)

PR-Manager:

Wird Ihre zukünftige Frau nach Deutschland ziehen?

Director:

Natürlich nicht.

(Pause)

Director:

Sind Sie schon mal einen Porsche gefahren?

PR-Manager:

Nein.

Director:

Möchten Sie mich nachhause fahren?
 

Fairness-Song

Jonathan und Monica auf der Messe (Foto: c Christoph Krackhardt)

Fairtrade ist ein Siegel, ein Versprechen, nicht mehr
Ein richtiger Schritt, aber wann sind wir fair
Fairplay ist schon gut, aber wann ists genug
Ein Grätsche zum Ball, oder ein Tackling aus Wut

Fair ist es nicht, wenn jemand klaut
Fair ist es, wenn du dem Dieb noch in die Augen schaust
Fair ist es zu nehmen, wenn der andere es mag
Fair ist es zu geben, ohne dass jemand fragt

Fair ist wenn du weißt, allen andren geht's gut
Fairness erfordert Wissen und vor allem auch Mut
Fairness heißt nicht Spenden aus schlechtem Gewissen
Fairness heißt, was man hat, auch zu schätzen wissen

Es ist unglaublich schwer und kein Mensch ist perfekt
Ich bin oft unfair, merk es dann und erschreck
Doch solange wir es ernsthaft versuchen
Kriegt eines Tages vielleicht jeder etwas ab von dem Kuchen

No matter what I say or do
I will never be the same like you
But as long as we share what you need what I have
We get closer as easy as that

Once again nimekuwa fair again
kuwa believe fena nakuwa trust again
I count again kuwatumia bram ahaa
akili ni nywele lakini bila fair maisha haisongi mbele

Just imagine nimekuwa kama water
Kuflow huku na kuku nikama nimeonja
Johnny Walker lakini shado bado ukienda pande
Zote utapata jarozangiu niza mbele

Sasa wewe umesikia neno maneno
Itibadaye ukasaga meno mikama suzi meno

Coz mimi nimnoma hata kama sikusoma microphoni nitaroga hadi yesu cuatokea
Ngojea ponea kamawe nifaca utabaki ume lal basi
Naminikimwona tutakata kamasa mahali tutaenda ninjaroza ever forever

No matter what I say or do
I will never be the same like you
But as long as we share what you need what I have
We get closer as easy as that

 

Visuelle Eindrücke unserer Arbeit

 

Hope Theatre Nairobi & Friends: Fotos von den Probearbeiten zu „Fair Deal – Far Act – Fair Trade“, von der Premiere im Theater Rampe Stuttgart 2013 und der Fair Handeln Messe Stuttgart 2013.
C für alle Fotos: Christof Krackhardt

Tourneepartner:

Brot für die Welt degerloch fair e.v.Freie aktive Schule StuttgartStaatsministerium Baden-WürttembergSEZ – Stiftung EntwicklungszusammenarbeitFairtrade DeutschlandPopakademie Baden-WürttembergTheatre for Development C.B.O.Theater RampeKenya Art Projects