Wasser!

Mutter Erde

von Judith Kunz

Mutter Erde, eine schwankende, abgerockte Diva in blauem Kleid, graubraunem Pelz, hohen Schuhen und mit blau-grüner Perücke schwankt auf die Bühne. Sie bemüht sich, souverän zu wirken, aber sie ist nicht mehr fit …

Hallo! Erdlinge!
Willkommen. Welcome. Karibu …
Schön dass Ihr da seid.
Es ist gut, dass Ihr da seid. Und es ist gut, dass ich hier bin.
Ich, Eure Mutter.
Mutter Erde.

Schaut etwas verächtlich, zündet sich eine Zigarette an

Ich musste ja mal wieder ziemlich lange warten, bis ich drankomme.
Typisch, alles ist ja immer wichtiger als ich.
Trotzdem will ich Euch meine Geschichte erzählen. Meine Geschichte und Eure Geschichte.
Und ich will Euch meinen Namen erklären.
Welchen Namen?
Na den Namen den Ihr mir gegeben habt. Vor langer Zeit:
Der Blaue Planet.
Ihr wisst natürlich warum ich so heiße: der blaue Planet.
Weil das viele Wasser, das mich bedeckt, aus der Ferne blau aussieht.
Na ja. So halbwegs blau wenigstens.
Ich habe wesentlich mehr Wasser für Euch zur Verfügung als alles andere.
Langsam ist es vielleicht nicht mehr nur Wasser, aber auf alle Fälle Flüssigkeit.

Holt einen Flachmann aus der Tasche hervor und nimmt einen kräftigen Schluck. Raucht …

Ich weiß nicht, wer sich das alles hat einfallen lassen,
Gott, oder der Urknall, oder die Ursuppe ist einfach übergelaufen …
Wer oder was es auch immer war,
es war keine schlechte Erfindung.
So wie ich geschaffen wurde konnte Leben entstehen.
Leben, das sich weiterentwickelt hat, und weiterentwickelt hat, bis Ihr plötzlich da ward.
Ich habe Euch alles gegeben, damit Ihr in Harmonie leben könnt, damit Ihr ein Zuhause habt, eine Spielwiese, einen Sportplatz, ein Laboratorium.. . Vor allem aber einen unbezahlbaren Schatz, damit Ihr überleben könnt.
Von allen Lebewesen seid Ihr diejenigen, die hier alles regeln können.
Ich habe Euch zur obersten Instanz werden lassen.
Und das habe ich nun davon …

Nimmt nochmals einen kräftigen Schluck. Parfümiert sich mit viel Nebel ein. Raucht weiter.

Ihr habt ein Hirn um zu denken, Hände um damit zu arbeiten, Füße um alles zu entdecken, eine Phantasie um mich zu überraschen, eine Gier alles zu zerstören, ein Gewissen doch nicht alles zu zerstören, eine Ignoranz um doch alles zu zerstören – der Blaue Planet, dass ich nicht lache …
Ich habe Euch wie mich erschaffen!
Ihr seid mein Ebenbild!
Und wenn Ihr mich zerstört dann zerstört Ihr auch Euch! –
So. Dass musste jetzt mal gesagt werden.

Trinkt nochmals einen kräftigen Schluck.

Ich bin blau, weil ich zu Dreiviertel aus Flüssigkeit bestehe. – Wartet, ob das Publikum den Witz versteht –
Der war gut, nicht? – Lacht dreckig

Wird plötzlich wütend

Natürlich habe ich das Wasser gut verteilt! Da Ihr gierig seid habe ich nur einen kleinen Teil für Euch zur Verfügung gestellt – tief in meinem Bauch oder gefroren. So wird auch für spätere Generationen noch was zur Verfügung stehen. Und vor allem für das Leben nach dem Menschen. Denn das wird es geben, da könnt Ihr noch so drauf los vergiften. Die Natur wird Euch schon überleben. Und ich auch …!
Ha! Spricht weiter, während sie eine Flasche Sekt öffnet Darauf trink ich jetzt mal mit Euch.
Auf mein Überleben auch nach dem Humus Sapiens! Korken knallt – Mutter Erde ist schon ziemlich betrunken
Aber erst, wenn mein letzter Sekt verschüttet ist werdet Ihr feststellen, dass man von Luft und Liebe alleine nicht überleben kann. – Oder so ähnlich.

Während sie sich endgültig betrinkt und noch eine Zigarette raucht wird sie immer zynischer

Ihr wisst das natürlich alles.
Klar.
Ihr habt ja immerhin die UNO-Dekade des Wassers geschaffen.
Und sonst noch so einiges kluges Zeug.
Und Ihr seid im Prozess und reflektiert die Chiffren und analysiert die Natur und die Chemie und die Textflächen und so weiter … und habt schon alles durchschaut. Jawohl! (fällt fast um)
Aber wenn Ihr so verdammt klug seid – warum macht Ihr dann so weiter?
Warum zerstört Ihr Euch?
Weil Ihr vielleicht doch nicht ganz so klug seid wie Ihr glaubt?

Ihr könnt nicht ohne mich. Lasst uns das mal unmissverständlich festhalten.
Ihr könnt nicht ohne mich!

Sie steckt die Zigarettenkippe in die Sektflasche und schaut sehr traurig ins Publikum

So, das könnt Ihr Euch jetzt teilen. Euer Zivilisationswasser.
Ich halte schon noch durch. Aber wie lange, das weiß ich nicht mehr.
Ist aber auch egal. Ist ja Eure Show.
Na dann – let’s party!

(Song + Schluss-Choreographie)

Eine bildungspolitische Revue zur Grundlage unseres Lebens von Judith Kunz und Hope Theatre Nairobi
Künstlerische Gesamtleitung: Stephan Bruckmeier

Nach der erfolgreichen Tournee 2014 mit der multimedialen Bildungsrevue „The Fair Trade Play“ setzt sich die Truppe nun mit einem weiteren globalen Thema auseinander: Wasser!

Wasser ist für alle da? Wasser steht der Menschheit zu gleichen Teilen, kostenlos und unendlich zur Verfügung? – Nein! Wasser ist ein Wirtschaftsgut, ungerecht verteilt und limitiert! Wasser wird verbraucht, verschmutzt, vergessen. Das macht die einen reich und die anderen krank. Das Recht auf Wasser aber ist essentiell für ein gesundes Leben und der Grundstein für nachhaltige Entwicklung. Dies wird spätestens durch die Anerkennung des Menschenrechtes auf Wasser 2010 und durch die Erklärung der Internationalen Aktionsdekade „Wasser- Quelle des Lebens“ (2005 bis 2015) deutlich. Wasser steckt in Deinem Blut, Deinem Apfel, Deiner Rose, Deiner Hose! Ohne Wasser läuft gar nichts und dennoch wird nichts so achtlos und rücksichtslos behandelt wie die Grundlage unseres Lebens …

Wasser! (2015)

Musik: Monica Atieno, Mwajuma Bahati, Pascal Doumange, Jonathan Strauch
Choreographie: David Thuku
Bühnenbild: Burundi Kids
Kostüme: Susan Wanjiku
Videos: Ephantus Kariuki, Judith Kunz

Mit: Monica Atieno, Pauline Akinyi, Winnie Akinyi, Mwajuma Bahati, Lucia Glaser, Melanie Kopp, Susan Wanjiku, Johanna Schmid,; Amir Ahmed, Douglas Kebengwa, Erick Marigu, Nicodemus Odhiambo, Kevin Ogutu, Dieter Overath, David Thuku

Agenda Meeting Destination Nairobi - Eine Reise von Margit Niederhuber, Heike Schiller und Stephan Bruckmeier. Hope Theatre, Nairobi
Titelseite des Flyers zur Veranstaltung in Köln