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Dominik Glaubitz KURT (UA)
Mit: Dominik Glaubitz, Arndt Wirth und
Daniela Schock
Inszenierung: Stephan Bruckmeier
Ausstattung: Annette Wolters
Musik: Arndt Wirth
Premiere: 21. 4. 1999, Theater Rampe
Stuttgart
Gastspiel beim Niederösterreichischen Donaufestival
„Auf einer Wiese in den Alpen sitzt ein Mann im
Sonnenschein und schwitzt: Kurt. Er spricht rau, wie jemand,
der sonst mit Wind und Regen redet. Er trägt einen
roten Schianzug und kann nicht fassen, dass er noch hier
ist.
Kurt ging im Winder zum Schifahren in die Berge. Da fiel
ihm ein Mädchen auf, das sich in sein Gedächtnis
brannte. Jetzt ist Hochsommer: Die Begegnung hat den armen
Kurt an den Berg geschmiedet wie einen Prometheus im Schianzug.
Er hat den Schnee schmelzen und die Sportler abreisen
sehen und sich mit Bier, Zigaretten und Joghurt am Leben
erhalten. Das Mädchen geht ihm nicht mehr aus dem
Kopf. In seinem Kopf wütet ein Erinnerungsgerinnsel.
(...)
Das kleine Wunder dieser Inszenierung: Sie bringt uns
auf Kurts Seite. Sie holt uns in seine Denkwelt. Sie interessiert
uns für diesen winzigen menschlichen Gipfel-Punkt.
Und sie macht uns eine Binsenweisheit anschaulich: dass
menschliches Denken immer ein Gespräch mit Abwesenden
ist. Kurt verzehrt sich nach dem abwesenden Mädchen,
und er sehnt sich danach, diese Liebesgeschichte seinem
Freund Paul zu erzählen. Aber Paul ist unten im Flachland.
Die beiden haben sich verloren.
In der Rampe sehen wir sie zusammen, aber unüberbrückbar
getrennt. Zwei Männer auf zwei Bühnen. Die linke
Bühne zeigt Kurts sonnige Löwenzahnwiese, einen
Sandweg, einen Felsen, aus dem Quellwasser gluckert. Die
rechte Bühne zeigt das Kellerstudio eines Musikers:
Keyboards, Lautsprecher, Mikrophone und einen Sessel zum
ausruhen. Links spricht Kurt, ohne einmal zu schweigen;
rechts improvisiert Paul über Kurts Monolog, ohne
einmal zu sprechen. Kurt (Dominik Glaubitz) sitzt in der
Tagwelt, Paul (Arndt Wirth) in der Nachtwelt. (...)
Sie nehmen einander nicht wahr, aber sie denken aneinander;
ihre Spiele passen ineinander wie Stimme und Soundcluster.
Was auf der Bühne abläuft, hundert Minuten lang,
ist das Synchronrauchen und –trinken und –denken
zweier Menschen, die einander entbehren: Großes
Telepathietheater aus dem Geist des Rap.“
Theaterheute, Juni 1999
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