Vita
Auszüge

„Blamage“ / „Trio“ Lieder und Texte
Kompositionen von Gilbert Handler, Mini Schulz und Martina Cizek

Einen wunderschönen Guten Abend Wertes Publikum
Ich freue mich, dass sie da sind
Ich freue mich wirklich
Und Sie können sich sicher vorstellen, dass es mir ein großes Anliegen ist
Sie gleich mit meiner ersten Nummer zu beeindrucken
Denn nur so kann ich Ihnen die Angst vor diesem Abend nehmen
Und Sie bereit machen sich zurückzulehnen
Sich zu öffnen den Alltag zu vergessen
Und sich mit mir auf diese Reise zu begeben
Sich verzaubern zu lassen für die nächsten eineinhalb Stunden
Um dann glücklich und erfüllt nach Hause zu gehen
Als totale Bruckmeier-Fans

Sich's noch gemütlich machen
Ein paar schöne Kerzen anzünden
Einen guten Rotwein trinken
Das Fell vor dem offenen Kamin
Die basaltschwere Nacht vor dem Fenster
Draußen alles finster, kalt , schwarz
Drinnen alles blond - federleicht entspannt verliebt
Die nackte Haut, die Küsse, die Zunge am Bauchnabel,
Die Erinnerung an einen schönen Abend
und der ganz innige Wunsch
Dass es mich bald auf CD gibt

Und es ist dabei natürlich ganz klar
Dass auch ich mich jetzt total öffnen muss
Damit Sie sich öffnen können
Dass ich den ersten Schritt machen muss
Dass ich mich herzeigen muss, ganz ehrlich, ganz offen,
Mit meinen Stärken und Schwächen
Mit meinen Ängsten und Wünschen
Offen und bereit,
So, wie ich eben bin


Ich steh immer früh auf und mach meine Übungen
Dann einen Waldlauf denn ohne Bemühungen
Kommt man im Leben nicht sehr weit
Das ist zwar nicht sehr heiter aber die Wahrheit
Da hilft auch kein Trinkspruch
Ich öffne mein Ringbuch
Und schreibe hinein was mir einfällt

Ich habe kein Kleingeld
Ich liebe Zitroneneis und weiße Bohnen
Mais Gurken Kaffee och das reimen tut weh
Doch nach zehn Zigaretten
Und Kopfschmerztabletten
Beginnt sich mein Schädel zu drehen
Ein Mädel ruft an und will gehen mit mir
So ein Jammer

Ich hock in der Kammer und hab keine Zeit denn
Mein Kopf tut sich weiten
Die Faust schmettert Zeilen aufs schiefe Papier
Und sie kann nicht verweilen bis viertel vor vier
So viel hab ich zu sagen
Ist das zu ertragen
Man ist ein Getriebener
Morgens um sieben ermattet mein Schädel

Jetzt bräucht ich ein Mädel doch ist keine zaus
Drum gibt s auch noch kein Ausruhn
Und rasch ans Klavier mit dem vollen Papier
Eifrig such ich ein Thema das erste tut weh
Maria hilf dem armen Genie hab Erbarmen
Das hat sie das Spatzi
Sie sendet mir Töne ganz wunderbar schöne
Und zwanzig nach acht ist das Kunstwerk vollbracht

Doch zum ganzen Gelingen
Muss ich’s auch noch singen
Was soll ich denn machen
So scharf wie Tabasco ist dieses Fiasko
Das ist nicht zum Lachen
Weil ich mich geniere
So schön sind die Sachen die ich formuliere
Der Bass tut erklingen doch ich kann nicht singen
Sosehr ich’s auch tu
Und drum mach ich meinen Mund auch wieder zu

Es ist soweit jetzt wissen sie bescheid
Es ist für mich das allergrößte Leid
Ich schreib für Sie ein Wunder an Gedicht
Nur eben singen kann ich’s nicht


Sie werden sich jetzt natürlich fragen
Wieso ich mich auf die Bühne stelle
Und Ihnen was vorsinge
Wenn ich weiß
Dass ich nicht singen kann
Ich sag es Ihnen ganz ehrlich
Es ist ein Jugendtraum von mir
Ich wollte immer einen Ferrari
Ich wollte immer ein Schwarzer sein –
Also die Hautfarbe -
Und ich wollte immer einen eigenen Abend machen.
Gut das mit dem Ferrari kann noch kommen
Das mit dem Neger sein hat sich vor mehr als vierzig Jahren erledigt
Aber das mit dem eigenen Abend

Und da hatte ich im Sommer 99 plötzlich ein Gefühl
So ein Gefühl wie wenn man das erste Mal
Aus dem Flugzeug springt
Oder als Großstädter das erste Mal unter Palmen am Meer steht
Oder morgens um fünf Uhr früh
Auf einem menschenleeren Landbahnhof sitzt
Auf den ersten Zug wartet
Und nicht weiß wo man hinfahren soll
Weil man hatte das erste Mal in seinem Leben Sex
So ein Gefühl hatte ich plötzlich

Und dieses Gefühl gab mir die Kraft und den Mut
Eine Entscheidung zu fällen.
Und anzufangen.
Man kann auf einer durch etwas Unbekanntes rasenden Kugel
So etwas wie ein Wesen sein und eine Zeit lang ein bisschen mitspielen
Man kann bei der Geburt seines Sohnes dabei sein und von da an wissen
Dass es Wunder gibt
Man kann ein paar ganz tolle wunderbare berührende Freunde haben
Man kann sich plötzlich verlieben, so
Dass man wie ein pubertärer Junge nicht mehr weiter weiß
Und alles falsch macht
Man kann manchmal so etwas Undefinierbares wie Glück erleben
Auch weil bekannt ist dass es keine Ewigkeit gibt
Man kann eine riesen Angst bekommen vor dem Ganzen
Was da so um einen rum ist und sich Welt nennt
Und froh sein
Dass der Mond irgendwie daran schuld ist
Dass es uns gibt.
Das ist alles so banal und so überwältigend
dass man sich wirklich fragen muss
Warum man die Dinge die man machen möchte
Nicht machen soll
Was kann schon passieren?
Der Abend kann ein Hit werden – gut
Der Abend kann kein Hit werden – gut
Stell dich hin
Mach auf
Und erzähl deine Geschichte
Und wenn nach der Pause niemand mehr da ist –

Also so dachte ich damals
Als ich anfing
Für den Abend zu schreiben
Heute denke ich natürlich anders:
Ich mach einfach keine Pause.
Ich zieh das einfach durch.
Knallhart.
So wie ich eben bin:


Ich gehe spät schlafen und
Trinke viel Rotwein
So kommt keine Not rein
In meinen Verstand
Denn ich glaube
Der Schlaf ist der Tod
An der Wand hängt das Mondlicht
Das wohnt nicht bei mir
Das besucht mich nur Nachts wenn ich Schreibe
Und Geister vertreibe

Die Hand schleudert Zeilen aufs schiefe Papier
Und sie kann nicht verweilen bis viertel vor vier
In der Tasche ist Gott sei Dank noch eine Flasche
Und viertel nach acht ist die Nacht umgebracht
Vierzehn Strophen gedichtet
Zwei Flaschen vernichtet
Der Künstlerkopf schwer
Und das Dichterhirn leer


Doch zum ganzen Gelingen
Muss ich’s auch noch singen
Was soll ich denn machen
So scharf wie Tabasco ist dieses Fiasko
Das ist nicht zum Lachen
Weil ich mich geniere
So schön sind die Sachen die ich formuliere
Der Bass tut erklingen doch ich kann nicht singen
Sosehr ich’s auch tu
Und drum mach ich meinen Mund auch wieder zu

Es ist soweit jetzt wissen sie bescheid
Es ist für mich das allergrößte Leid
Ich schreib für Sie ein Wunder an Gedicht
Nur eben singen kann ich’s nicht

Doch zum ganzen Gelingen
Muss ich auch noch singen
Das ist nicht zum lachen
So scharf wie Tabasco
Ist dieses Fiasko
Was soll ich denn machen
So schön sind die Sachen
Die ich formuliere
Der Bass tut erklingen
Doch ich kann nicht singen
Sosehr ich’s auch tu
Und drum mach ich meinen Mund
auch wieder zu

Es ist soweit jetzt wissen sie bescheid
Es ist für mich das allergrößte Leid
Ich schreib für Sie ein Wunder an Gedicht
Nur eben singen kann ich’s nicht


Aber fällt Ihnen auf
Wie es Ihnen schon bedeutend schwerer fällt
Mich scheiße zu finden?
Irgendwas ist passiert. Irgendwas ist anders
Obwohl alles wie vorher ist.
Als ich das letzte Mal in Paris war
Habe ich auch darüber nachgedacht
Über den Unterschied
Ich stand spät abends unter dem beleuchteten Eiffelturm
Habe hoch geschaut und bin mir ganz klein vorgekommen
Neben diesem gigantischen muskulösen Bauwerk
Und als ich dann die Eisentreppen hochgestiegen bin
Da bekam ich so kriegerische Gefühle
Und wurde immer schwerer durch meine innere Rüstung
Und das Willensschwert mit dem ich den Riesen bezwingen wollte
Und als ich dann ziemlich außer Atem die zweite Etage erreicht hatte
Und über das Pariser Lichtermeer blickte
Da fiel mir plötzlich das Wiener Riesenrad ein

Wenn man diese zwei Bauwerke miteinander vergleicht
Dann fallen einem sofort drei Unterschiede auf
1. das Riesenrad ist nicht so hoch wie der Eiffelturm
2. das Riesenrad steht nicht in Paris und
3. das Riesenrad dreht sich

Sehn sie, das ist das Besondere am Riesenrad
Man muss nicht marschieren und kommt doch gut voran
Zuerst ist man kleiner als das Rad
Dann hängt man in der Luft
Dann ist man plötzlich größer
Dann schwebt man mitten drin im Rad
Wie ein Paradiesvogel in einem gigantischen Wunderbaum
Dann ist man wieder unter dem Rad und klein
Ständig verändert sich die Welt
Man muss gar nichts tun
Man muss sich nur einmal entschlossen haben einzusteigen

Und so könnt man doch sagen dachte ich
als ich bereits wieder unten war in einem Straßencafé saß
Und lecker Rotwein trank
So könnte man doch sagen
Der Pariser Eiffelturm ist ein bisschen mehr wie der Mensch und
Das Wiener Riesenrad ist ein bisschen mehr wie das Leben

(aus Blamage / Trio)
 

Auszüge aus Texten:


„Blamage“ / „Trio“
Lieder und Texte
> Guten Abend

> Mädchen, mein Mädchen
> Ein Liebeslied


„Das kalte Gesicht“
Theatertext


„Die blaue Tundra“
Theaterstück